Ein kleiner Hund im Ambush Marketing ganz groß
14.07.2010 |
Erstellt von: Thorsten Schulte |
Die FIFA nimmt es sehr ernst mit der Wahrung ihrer Markenrechte und hat sich damit Südafrika nicht nur Freunde gemacht. Hier nun die Geschichte eines Unternehmens, das sich dem Fußball-Weltverband entgegenstellte.
(Auszug aus einem Bericht von Nemo Tronnier)
Die FIFA steht häufiger in der Kritik. Wie sollte es auch anders sein? Sie muss schließlich über die wichtigsten Fragen des Weltfußballs entscheiden. Und da dort bekanntlich immer irgendwer unzufrieden ist, gibt es kaum ein lobenswertes Wort über die armen, hart arbeitenden Funktionäre der "Fédération Internationale de Football Association".

FIFA überwacht Markenrechte pedantisch
Eine gute Bezahlung kann über den harten Arbeitsalltag hinwegtrösten. Obwohl der Verband laut schweizerischem Recht als steuerfreie und gemeinnützige Organisation eigentlich gar keinen Überschuss erwirtschaften dürfte, werden zu dieser WM Einnahmen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro und ein beträchtlicher Gewinn erwartet.
Trotz oder vielleicht gerade wegen des unter Joseph Blatter erwirtschafteten Geldüberschusses bei der FIFA wird die Einhaltung der Markenrechte während der Weltmeisterschaft durch eine Heerschar teurer Juristen pedantisch überwacht. Manche werden sich noch an die absurde Klage der FIFA gegen einen deutschen Bäcker erinnern, welcher sich 2006 erdreistete, seine Backwaren mit dem Titel "Weltmeisterbrötchen" zu versehen. Doch dieses Mal regt sich in Südafrika bei den lokalen und internationalen Unternehmen Widerstand.
Kulula widersetzt sich der FIFA
Und so liest sich auch die Auseinandersetzung einer südafrikanischen Billigfluglinie mit der FIFA wie ein modernes Märchen: "Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Ganz Südafrika ist von der FIFA besetzt ... Ganz Südafrika? Nein! Eine kleine Fluglinie namens 'Kulula' widersetzt sich dem Streben der Großmacht".
Die gewiefte Airline kam erstmals in Konflikt mit der FIFA, als sie sich als "inoffizielle Fluglinie des Sie-wissen-schon-was" bezeichnete. Die FIFA erwirkte vor Gericht einen Stopp der Anzeige, da eine unrechtmäßige Verwendung von Vuvuzelas, Fußbällen, Stadien und dem Austragungsjahr der WM vorlag.
Zitat
„Billigflüge für Jedermann, mit einer Ausnahme: Sepp Blatter - er kann umsonst fliegen.“
Kulula AirlineFreiflüge für Sepp Blatter.
Kulula reagierte mit einer modifizierten Anzeige, in der er hieß, "es gebe da so ein Event, nicht im vergangenen Jahr, auch nicht im kommenden Jahr, sondern irgendwann dazwischen". Dagegen konnten selbst die FIFA-Juristen nicht vorgehen.
Vor Kurzem dann schaltete die Airline die Anzeige: "Billigflüge für Jedermann, mit einer Ausnahme: Sepp Blatter - er kann umsonst fliegen". Der FIFA-Präsident ging auf das Angebot nicht ein. Vielleicht lag es an den zwei Privatjets, die von der FIFA während der Weltmeisterschaft für etwa 1,5 Millionen Euro angemietet wurden. "FIFA one" und "FIFA two" sind auf einen Eigentümer in der Karibikinsel Tortola zugelassen. Tortola gehört zu den britischen Jungferninseln und ist als Steuerparadies bekannt.
Sepp, der süße Hund
Nachdem Sepp Blatter also nicht auf das Angebot der Fluglinie eingegangen war, meldete sich (ganz zufällig) ein südafrikanisches Pärchen, dessen Hund (ganz zufällig) Sepp Blatter heißt. "Wir waren etwas überrascht. dass wir nun anstatt des FIFA-Präsidenten einen Boston Terrier herumfliegen, aber er ist wirklich ganz süß und benimmt sich gut, also warum nicht", sagt Kululas Marketing-Managerin Nadine Damen.
Zitat
„Wir waren etwas überrascht, dass wir nun anstatt des FIFA-Präsidenten einen Boston Terrier herumfliegen.“
Kurz darauf schaltete die Fluglinie die nächste Anzeige: "Es ist offiziell: Sepp Blatter fliegt mit uns". Rasch wurden ein Twitter- und ein Facebook-Account für den fliegenden Boston Terrier eingerichtet. Die clevere Fluglinie zeigt, wie man durch eine geschickte Kombination aus Ambush- und viralem Marketing aus einer vermeintlich unterlegenen Position das Beste herausholen kann. Das Medienecho nach diesem Coup ist groß und auch das Image der FIFA hat einen weiteren Knacks bekommen.
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