Rivella bewirbt Passaia mit Guerilla Marketing
Mitten auf dem Löwenplatz beim Opernhaus in Zürich lockte am Mittwoch eine "Oase" die BesucherInnen, mit Palmen und tropischem Ambiente und Körben voller durstlöschendem Getränk "Passaia", das von den PassantInnen kostenlos mitgenommen und getrunken werden konnte. Verantwortlich für die Guerilla-Marketing-Aktion war vermutlich die Rivella AG -Gruppe, die das Getränk Passaia aus dem Saft der Passionsfrucht herstellt, oder die Migros, die das Getränk für Rivella vertreibt.
Passaia gibt es als Standard- und als kalorienreduzierte Light-Version, beide enthalten 4% Saft der Passionsfrucht. Vertrieben wird Passaia über die Migros und Le Shop.
Ambush Marketing Beer Babes in den Knast?
Seit kurzem ist das holländische Bier "Bavaria" weltweit bekannt. Die Bilder der "Beer-Babes" machten Schlagzeilen, weil sie einerseits für einen (orangen) Farbtupfer unter den Fanmassen sorgten, andererseits weil die Fifa die Rädelsführerinnen verhaften liess und diese nun vor Gericht erscheinen müssen.
Die "Bavaria"-Brauerei ist bekannt für Guerilla-Marketing. Vor allem für ihre Werbung, die fürs Auge männlicher Biertrinker gedacht ist. Nicht nur, dass Sylvie van der Vaart im orangen Kleidchen der Brauerei dafür wirbt, seit Jahren zieht der Hersteller die Aufmerksamkeit der Massen mit verschiedensten Werbeaktionen – meist mit jungen Frauen in knappen Kleidchen – auf sich.
Schon an der WM 2006 zugeschlagen
Bereits an der WM 2006 verschenkte die Brauerei zu jedem Kasten Bier eine orange Lederhose. Was der Fifa auch damals ein Dorn im Auge war. So zwang sie rund 1000 Holländer dazu, vor dem Match Argentinien – Elfenbeinküste, ihre Hosen auszuziehen und den Match notgedrungen in Unterhosen zu verfolgen, berichtet die BBC.
Der selbstverständlich empörte Brauerei-Chef Peer Swinkels wurde damals zitiert: "Ich verstehe, dass die Fifa Sponsoren hat, aber sie kann nicht Leuten befehlen, ihre Lederhosen auszuziehen. Das geht zu weit."
PR-Desaster für Fifa
Und was sagte Swinkels nach der jetzigen "Beer-Babes"-Affäre? "Die Fifa hat kein Monopol auf die Farbe Orange." Die Menschen hätten schliesslich die Freiheit zu tragen, was sie wollten. Was schon damals für mehrheitlich negative Schlagzeilen für die Fifa sorgte, ist heute in noch grösserem Ausmass ein PR-Desaster für den Weltfussballverband.
Denn nicht nur die holländischen Frauen verstehen die Aufregung und die Behandlung – stundenlange Verhöre – nicht, auch die niederländische Botschaft schaltete sich ein. Sie wird die beiden Rädelsführerinnen am morgigen Prozess unterstützen.
Wie der Prozess auch ausgeht: die Fifa hat mit ihrem energischen Einschreiten ziemlich viele Fans vergrault. Höhnische Kommentatoren wie in der "FAZ" ("Die Fifa macht es einem wirklich leicht, sie zu mögen") schrieben sich die Finger wund. Andere, wie ein Werbe-Experte in der "Zeit", formulierten es behutsamer: "Einerseits ist es ein legitimes Interesse der Fifa, ihre Sponsoren zu schützen. Andererseits hätte ihr der gesunde Menschenverstand raten können, lockerer zu reagieren."
Weltweite Werbung
Dass die Bavaria-Brauerei sich auch bei der nächsten WM irgendwie einen Namen machen wird, scheint bereits gesichert. Oder wie es Bavaria-Chef Swinkels sagt: "Unsere Marke ist auf den Kleidern kaum zu sehen. Aber nun spricht die ganze Welt über uns."
Und dass die PR-Abteilung von "Bavaria" Profis sind, zeigt diese Verballhornung des beliebten Heineken-Spots – ausgerechnet der Sponsor der niederländischen Nationalmannschaft – mit dem Bier-Kleiderschrank. Aber sehen Sie selbst.
Neues Buch zum Ambush Marketing
Ein Angriff aus dem Hinterhalt oder eine preiswerte Alternative zum Sportsponsoring? Vor dem Hintergrund enormer Kosten im Sportsponsoring setzen Unternehmen verstärkt auf Ambush Marketing. Doch der Grat zwischen innovativer Kommunikationspolitik und der Verletzung von Sponsorenrechten ist dabei äußerst schmal.
Gerd Nufer stellt auf einzigartige Weise sowohl die Sicht der Veranstalter und offiziellen Sponsoren von Sport-Events als auch die Perspektive der Ambusher vor: man erfährt unter anderem,
- welche Strategien und Erscheinungsformen des Ambush Marketing existieren,
- wie Ambush Marketing wirkt,
- wie man sich vor Ambush-Marketing-Aktionen schützen kann und
- wann man als Ambusher Rechte verletzt.
Mit einer Fallstudie zur Fußball-WM 2006 sowie zahlreichen Beispielen gelungener Ambush-Marketing-Kampagnen aus der Praxis.
Fünf knallgelb-pinkfarbene Velos schmückten in den letzten Wochen die Berner Innenstadt – bestückt mit echten Blumen und ergänzt mit einem Kästchen voller Demo-CDs. Es war dies die Guerilla-Aktion der Berner Band Daliah, die auf diese unkonventionelle Weise ihr neues Album bewerben wollte. Es war? Vier der fünf Velos wurden am Wochenende von der Kantonspolizei «sichergestellt», im Auftrag der Gewerbepolizei.
Die Sache ins Rollen gebracht hat Stadtrat Mario Imhof (FDP), seines Zeichens Ferrari-Fahrer. «Die Aktion an sich dünkt mich gut», sagt er auf Anfrage. Nicht in Ordnung sei hingegen, wenn das Ganze ohne Bewilligung ablaufe. Dem bunten Treiben Einhalt zu gebieten – eine Frage des Prinzips: «Das artet sonst sofort aus», sagt Imhof. «Andernfalls stehen als Nächstes überall farbige Kinderwagen auf der Strasse.»
Gemäss Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, ist bicyclistische Werbung im öffentlichen Raum zugelassen, sofern die Velos den Sicherheitsnormen entsprechen und eine Vignette haben – und auch wirklich in Gebrauch sind. Man habe schon in anderen Fällen reagiert: «In Bern gibt es sowieso zu wenig Veloabstellplätze.»
Bei der Band Daliah stösst das rasche Durchgreifen der Polizei auf Unverständnis. Schliesslich klang es vor zwei Wochen noch so, als ob das blosse Anbringen von Vignetten die Sache erledigen könnte. «Wir hätten die Velos gerne selber weggeräumt, wurden aber erst am Freitag von der Gewerbepolizei dazu aufgefordert», sagt Bassist Tobias Bowald. «Schade, dass Politiker und Behörden nichts Besseres zu tun haben, als solch kreative Aktionen zu bekämpfen.»
Die fehlbaren Fahrräder können vermutlich von ihren Eigentümern abgeholt werden. Immerhin hat die Aktion der Band viele positive Reaktionen und Bekanntheit eingetragen: Die Besucher auf der Webseite verzehnfachten sich.